Wie die Inflation die deutsche Logistikbranche ins Schlingern bringt

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Es ist keine gute Zeit für die deutsche Wirtschaft. Erst kamen die Coronapandemie und ihre Nachwirkungen, dann stieg die Inflation. Und schließlich sorgt der Krieg in der Ukraine für ungeahnte negative Folgen bis hin zu einer enormen Rohstoffverknappung, was wiederum die Inflation in Deutschland auf den höchsten Stand seit vierzig Jahren trieb.

Gerade die Logistikbranche spürt diese Folgen. Schon im März dieses Jahres war ein Großteil der deutschen Lagerlogistikunternehmen besorgt über ihre künftige Geschäftsentwicklung. Grund: die Inflation. Für fast alle Betriebe waren vor allem die Kostensteigerungen für Energie und Verpackungen belastend. Manche mussten für Verpackungskartons gar dreimal so viel bezahlen, wie noch 2021.

 

Energiekosten treiben die Inflation

Im Mai 2022 lag die Inflation in Deutschland gemäß Statistischem Bundesamt bei plus 7,9 Prozent, im Juni kletterte der Wert gar auf 8,1 Prozent. Doch wie entsteht eine Inflation? Das Wort ist auf den lateinischen Begriff Inflation zurückzuführen, und der steht für Aufblähen. Übertragen auf die Wirtschaft bedeutet das: Übersteigt die gesellschaftliche Nachfrage nach Gütern das entsprechende Angebot, dann steigen die Preise, sie werden also aufgebläht. Und infolge dieser Preissteigerungen müssen Löhne und Gehälter angehoben werden, damit die Beschäftigten ihre Konsumausgaben decken können. Das erhöht wiederum die Kosten für die Unternehmen.

Wie teuer vieles geworden ist, zeigt eine Übersicht des Statistikportals Statista. Demnach hatten sich im Mai die Preise für Heizöl und Kraftstoffe um 50 Prozent verteuert im Vergleich zum Vorjahresmonat. Bei Strom, Gas und anderen Brennstoffen lag der Preisanstieg bei 36,8 Prozent. Und diese Explosion der Energiekosten ist der Haupttreiber der steigenden Preise für viele Güter und Dienstleistungen.

 

Überlastete Überseehäfen

Aber das ist noch nicht alles. Im Juni steckten zwei Prozent der weltweiten Containerflotte vor den Hafenstädten Hamburg, Rotterdam und Antwerpen fest. Die Schiffe konnten nicht entladen werden, weil in den Häfen nicht abgeholte Importcontainer die Anlagen regelrecht verstopften. Für die Exportcontainer blieb deswegen kein Platz.

Schon Wochen vorher war der internationale Warenaustausch durch neue coronabedingte Lockdowns blockierte chinesische Häfen wie Shanghai nur eingeschränkt möglich. Zwar ist der zweimonatige Lockdown in der Stadt mit 25 Millionen Einwohnern beendet, doch wenn sich zuvor schon drei Prozent des weltweiten Containerverkehrs vor dem dortigen Hafen stauten, dann dauert es lange, bis von einer normalen Lage gesprochen werden kann. Der Vorstand der Bundesvereinigung Logistik (BVL) ist längst in großer Sorge: „Die Lieferketten kann man zurzeit nicht kontrollieren. Das wird eine riesige Dimension bekommen und Verzögerungen, die wir so noch nicht kennen“, sagt Tim Scharwath, CEO DHL Global Forwarding Freight. „Selbst optimistisch gesehen werden die Probleme bis mindestens Mitte 2023 andauern“, lautet die Prognose von Josip T. Tomasevic, Senior Vice President beim Industriekonzern AGCO.

 

Seefrachtcontainer so teuer wie nie

Ein Blick auf die Frachtpreise lässt erahnen, wie groß die Probleme sind. Kostete auf der Seestrecke Shanghai – Rotterdam ein 40-Fuß-Container noch rund 1.890 Euro, waren es im Januar 2021 schon 8.319 Euro. Im Januar 2022 wurde mit 13.261 Euro das Allzeithoch erreicht. Im Mai 2022 war der Preis zwar auf 9.258 Euro abgesackt, doch er liegt eben immer noch mehr als viermal über dem Niveau von vor zwei Jahren.

Angesichts dieser schwierigen Lage ist jede noch so kleine positive Nachricht ein Lichtblick für die Branche: Der Preisindex Massivholz für Holzpaletten ist im Juni 2022 im Vergleich zum Mai um 4,4 Prozent gesunken. Trotzdem sind die Preise noch atemberaubend hoch, denn der Index liegt aktuell bei 497 Punkten, das sind 41,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, und verglichen mit dem Juni 2020 sind es sogar 218 Prozent mehr.

 

Lohnerhöhungen wirken nicht

Dieser enorme Anstieg sämtlicher Preise belastet wiederum die Suche nach Arbeitskräften. Der Fahrermangel ist bekannt und wurde durch den Krieg in der Ukraine verschärft. Denn selbst wenn die Logistikbranche ständig die Löhne erhöhen würde, um die Attraktivität der Jobs zu erhöhen, können sie damit den Preisanstieg vieler Konsumgüter nicht ausgleichen. Denn wenn die Kosten für den Transport der Ware ansteigen, steigen auch die Endverbraucherpreise. Ein Teufelskreis.

Folgt man allerdings verschiedenen internationalen Ökonomen, dann könnte sich die Inflation zur Jahresmitte hin abschwächen. Demnach werden die Unternehmen ihre Lager füllen, um sich gegen steigende Preise zu wappnen, und auch die globalen Lieferketten werden nach und nach wieder intakt sein, was sich positiv auf die Warenversorgung und damit auf den Preisdruck auswirken soll. Optimistische Experten wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung sagen vorher, dass die Inflation in diesem Jahr auf 3,4 bis 3,8 sinken und 2023 nur noch bei 1,5 Prozent liegen wird.

Das sind hoffnungsvolle Aussichten. Nicht nur für die Logistikbranche.

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