Die Elektrifizierung macht aus einem ESG-Thema einen wirtschaftlichen Standortfaktor
Lange Zeit spielte Energie bei der Bewertung eines Logistikstandorts nur eine untergeordnete Rolle. Solange die Versorgung gesichert war und die Energiekosten kalkulierbar blieben, standen andere Faktoren im Vordergrund: Lage, Miete, Hallenhöhe, Personalverfügbarkeit oder Verkehrsanbindung.
Mit der zunehmenden Elektrifizierung der Logistik verändert sich diese Betrachtung jedoch grundlegend. Was gestern noch als Nachhaltigkeitsmaßnahme galt, entwickelt sich heute zu einem wirtschaftlichen Standortfaktor. Für Verlader und Logistikdienstleister wird die Frage der Energieversorgung zunehmend zu einem entscheidenden Kriterium bei der Auswahl und Bewertung von Standorten.
Vom ESG-Thema zur wirtschaftlichen Notwendigkeit
Photovoltaikanlagen auf Hallendächern, Batteriespeicher oder Ladeinfrastruktur wurden in den vergangenen Jahren häufig unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit betrachtet. Die Maßnahmen dienten dazu, CO₂-Emissionen zu reduzieren, ESG-Ziele zu erfüllen oder das Unternehmensimage zu stärken.
Heute zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Die Elektrifizierung von Fuhrparks, steigende Anforderungen an die Energieversorgung sowie volatile Strompreise führen dazu, dass Energie zunehmend Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit logistischer Prozesse nimmt.
Gleichzeitig entsteht erstmals ein belastbarer Business Case für die Kombination aus Photovoltaik, Batteriespeichern und Ladeinfrastruktur. In der Vergangenheit war der Stromverbrauch vieler Logistikimmobilien vergleichsweise gering. Zwar standen große Dachflächen für die Stromerzeugung zur Verfügung, ein Großteil des erzeugten Stroms musste jedoch ins öffentliche Netz eingespeist werden, da vor Ort nur begrenzte Verbrauchsmöglichkeiten bestanden.
Mit der Elektrifizierung von Lkw-Flotten und dem Ausbau energieintensiver Anwendungen verändert sich diese Situation grundlegend. Der vor Ort erzeugte Strom kann zunehmend direkt genutzt werden, wodurch Eigenverbrauchsquoten steigen und Investitionen in Photovoltaik- und Speicherlösungen wirtschaftlich attraktiver werden. Wer künftig E-Lkw betreiben, Ladeinfrastruktur ausbauen oder zusätzliche Automatisierungstechnik einsetzen möchte, benötigt daher nicht nur ausreichend Strom, sondern auch ein belastbares Energiekonzept. Damit wird Energie zu einem operativen Erfolgsfaktor und nicht mehr ausschließlich zu einer Nachhaltigkeitskennzahl.
Der Standort der Zukunft liefert mehr als Lagerfläche
Viele Logistikimmobilien wurden zu einer Zeit geplant, in der die Energieversorgung kaum eine strategische Rolle spielte. Heute verändern sich die Anforderungen spürbar.
Gefragt sind zunehmend Standorte, die neben Lagerkapazitäten auch die Voraussetzungen für eine wirtschaftliche Energieversorgung bieten. Dazu gehören beispielsweise ausreichend Dachflächen für Photovoltaik, die Möglichkeit zur Integration von Batteriespeichern sowie die Voraussetzungen für den Ausbau von Ladeinfrastruktur.
Entscheidend ist dabei nicht allein die verfügbare Anschlussleistung. Viel wichtiger wird die Fähigkeit eines Standorts, Energie intelligent zu erzeugen, zu speichern und bedarfsgerecht zu nutzen. Die Kombination aus Netzanschluss, Photovoltaik, Speicher und Ladeinfrastruktur kann künftig einen erheblichen Wettbewerbsvorteil schaffen.
Warum Verlader genauer hinschauen sollten
Für viele Verlader war die Logistikimmobilie lange Zeit vor allem ein Mittel zum Zweck. Die Verantwortung für den Betrieb lag beim Logistikdienstleister. Mit der Elektrifizierung rückt die Energiefrage jedoch stärker in den Fokus strategischer Entscheidungen.
Wer heute einen Logistikpartner auswählt oder eine Ausschreibung vorbereitet, sollte daher nicht nur klassische Kriterien wie Preis, Servicelevel oder Standort betrachten. Ebenso relevant werden Fragen zur Energieversorgung des Standorts:
• Welche Anschlussleistung steht zur Verfügung?
• Besteht Ausbaupotenzial?
• Gibt es Photovoltaikanlagen oder entsprechende Flächen?
• Ist ein Batteriespeicher vorhanden oder geplant?
• Welche Möglichkeiten bestehen für die Ladeinfrastruktur?
• Besteht Ausbaupotenzial?
• Gibt es Photovoltaikanlagen oder entsprechende Flächen?
• Ist ein Batteriespeicher vorhanden oder geplant?
• Welche Möglichkeiten bestehen für die Ladeinfrastruktur?
Die Antworten auf diese Fragen können künftig direkten Einfluss auf Kostenstrukturen, Skalierbarkeit und Zukunftsfähigkeit logistischer Konzepte haben.
Die neue Kennzahl: Energieflexibilität
Während früher die Anzahl der Tore, die Hallenhöhe oder die verfügbare Lagerfläche im Mittelpunkt standen, gewinnt eine neue Eigenschaft an Bedeutung: Energieflexibilität.
Gemeint ist die Fähigkeit eines Standorts, auf veränderte Energiebedarfe reagieren zu können. Kann zusätzlicher Strom für Ladeinfrastruktur bereitgestellt werden? Lassen sich Lastspitzen durch Speicher ausgleichen? Besteht die Möglichkeit, selbst erzeugte Energie effizient zu nutzen?
Je flexibler ein Standort auf diese Anforderungen reagieren kann, desto besser ist er für die kommenden Jahre aufgestellt.
Fazit
Die Elektrifizierung verändert nicht nur Fahrzeuge und Technologien, sondern auch die Anforderungen an Logistikstandorte. Energie entwickelt sich von einem Nebenthema zu einem zentralen wirtschaftlichen Faktor.
Für Verlader und Logistikdienstleister bedeutet das, Standorte künftig ganzheitlicher zu bewerten. Nicht allein die verfügbare Fläche entscheidet über die Zukunftsfähigkeit einer Immobilie, sondern zunehmend auch ihre energetischen Möglichkeiten.
Die Standorte, die heute in Energieversorgung, Speicherlösungen und Ladeinfrastruktur investieren, schaffen damit nicht nur die Grundlage für mehr Nachhaltigkeit. Sie sichern sich vor allem einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil für die Logistik von morgen.