„Die Mengen sind weitgehend stabil.“ Dieser Satz findet sich so oder ähnlich in vielen Logistikausschreibungen. Für Verlader klingt er zunächst beruhigend. Für Logistikdienstleister kann er jedoch zum wirtschaftlichen Risiko werden.
Denn stabil sind häufig nur die Jahresmengen auf dem Papier. Im operativen Alltag bestimmen dagegen saisonale Spitzen, Aktionsgeschäft, Sortimentswechsel und kurzfristige Auftragsschwankungen die tatsächliche Belastung eines Standorts. Werden Angebote hauptsächlich auf Basis von Durchschnittswerten kalkuliert, entsteht schnell ein Logistikkonzept, das rechnerisch funktioniert, in der Praxis aber an seine Grenzen stößt.
Bereits 2022 haben wir uns in unserem Beitrag „Große Herausforderung, viele Chancen: Die Digitalisierung der Logistik“ mit den Veränderungen beschäftigt, die digitale Technologien für die Branche mit sich bringen.
Damals galt die Digitalisierung für viele Unternehmen noch als eine der größten Zukunftsaufgaben der Logistik.
Vier Jahre später ist es Zeit für eine neue Bestandsaufnahme: Wo steht die Branche heute und welche Herausforderungen sind inzwischen in den Mittelpunkt gerückt?
Bei der Vergabe logistischer Dienstleistungen standen lange Zeit vor allem klassische Kriterien im Mittelpunkt. Preis, Servicelevel, Standort, Lagerkapazitäten, IT-Anbindung oder Branchenerfahrung galten als die entscheidenden Faktoren bei der Auswahl eines Logistikdienstleisters.
Diese Kriterien bleiben auch künftig relevant. Gleichzeitig verändert sich jedoch das Umfeld, in dem Logistikdienstleistungen erbracht werden. Die Elektrifizierung von Fahrzeugen, steigende Anforderungen an die Energieversorgung sowie zunehmende Nachhaltigkeitsvorgaben sorgen dafür, dass ein weiterer Faktor an Bedeutung gewinnt: Energie.
Wenn über E-Lkw diskutiert wird, steht meist eine Frage im Mittelpunkt: Reicht die Reichweite aus?
Die Antwort darauf fällt heute deutlich positiver aus als noch vor wenigen Jahren. Moderne E-Lkw erreichen je nach Fahrzeugmodell, Beladung und Einsatzprofil inzwischen Reichweiten von rund 300 bis 500 Kilometern pro Ladung. Unter bestimmten Bedingungen sind teilweise auch höhere Werte möglich. Für viele regionale Transporte sowie zahlreiche nationale Relationen ist das bereits ausreichend. Gleichzeitig steigt das Angebot der Hersteller kontinuierlich und immer mehr Unternehmen sammeln erste Praxiserfahrungen.
Die Diskussion rund um E-Lkw konzentriert sich häufig auf Reichweiten, Ladezeiten oder Förderprogramme. Dabei wird oft übersehen, dass die Elektrifizierung weit mehr verändert als nur den Antrieb von Fahrzeugen.
Tatsächlich beginnen die Auswirkungen bereits deutlich früher – nämlich bei der Planung logistischer Netzwerke, der Auswahl geeigneter Standorte und der Vergabe von Logistikdienstleistungen. Für Verlader und Logistikdienstleister bedeutet das, etablierte Prozesse und Entscheidungskriterien zu hinterfragen.
Die Elektrifizierung verändert damit nicht nur den Transport selbst, sondern zunehmend die Spielregeln der Kontraktlogistik.