Wachstum ist grundsätzlich eine gute Nachricht. Steigende Auftragszahlen, neue Sortimente oder die Expansion in weitere Märkte zeigen, dass sich ein Geschäftsmodell erfolgreich entwickelt. Für die Logistik kann genau dieses Wachstum jedoch zur Herausforderung werden – insbesondere dann, wenn Flächen, Prozesse und Kapazitäten nicht im gleichen Tempo mitwachsen.
Die Ausschreibung ist abgeschlossen, der Logistikpartner ausgewählt und der Vertrag unterschrieben. Für viele Unternehmen ist damit ein wichtiger Meilenstein erreicht. Doch bis zur ersten erfolgreich ausgelieferten Bestellung steht noch eine entscheidende Aufgabe bevor: Aus dem vereinbarten Konzept muss ein funktionierender Logistikbetrieb werden.
„Die Mengen sind weitgehend stabil.“ Dieser Satz findet sich so oder ähnlich in vielen Logistikausschreibungen. Für Verlader klingt er zunächst beruhigend. Für Logistikdienstleister kann er jedoch zum wirtschaftlichen Risiko werden.
Denn stabil sind häufig nur die Jahresmengen auf dem Papier. Im operativen Alltag bestimmen dagegen saisonale Spitzen, Aktionsgeschäft, Sortimentswechsel und kurzfristige Auftragsschwankungen die tatsächliche Belastung eines Standorts. Werden Angebote hauptsächlich auf Basis von Durchschnittswerten kalkuliert, entsteht schnell ein Logistikkonzept, das rechnerisch funktioniert, in der Praxis aber an seine Grenzen stößt.
Bereits 2022 haben wir uns in unserem Beitrag „Große Herausforderung, viele Chancen: Die Digitalisierung der Logistik“ mit den Veränderungen beschäftigt, die digitale Technologien für die Branche mit sich bringen.
Damals galt die Digitalisierung für viele Unternehmen noch als eine der größten Zukunftsaufgaben der Logistik.
Vier Jahre später ist es Zeit für eine neue Bestandsaufnahme: Wo steht die Branche heute und welche Herausforderungen sind inzwischen in den Mittelpunkt gerückt?
Bei der Vergabe logistischer Dienstleistungen standen lange Zeit vor allem klassische Kriterien im Mittelpunkt. Preis, Servicelevel, Standort, Lagerkapazitäten, IT-Anbindung oder Branchenerfahrung galten als die entscheidenden Faktoren bei der Auswahl eines Logistikdienstleisters.
Diese Kriterien bleiben auch künftig relevant. Gleichzeitig verändert sich jedoch das Umfeld, in dem Logistikdienstleistungen erbracht werden. Die Elektrifizierung von Fahrzeugen, steigende Anforderungen an die Energieversorgung sowie zunehmende Nachhaltigkeitsvorgaben sorgen dafür, dass ein weiterer Faktor an Bedeutung gewinnt: Energie.